In der Nacht vom 22. auf den 23. November 1992 setzen Neonazis das Haus der Familie Arslan in Mölln in Brand. Bei dem Anschlag wurden Yeliz Arslan, Ayşe Yilmaz und Bahide Arslan ermordet. Weitere Familienmitglieder erleiden teils sehr schwere Verletzungen. Zuvor hatten die Neonazis einen Brandanschlag auf ein weiteres Haus in Mölln verübt. Neun der Bewohner_innen wurden dabei schwer verletzt.

Ein halbes Jahr später, am 29. Mai 1993 sterben Gürsün Ince, Hatice Genç, Gülüstan Öztürk, Hülya Genç und Saime Genç, nachdem Neonazis ihr Haus in Solingen in Brand stecken. Weitere 17 Menschen werden zum Teil lebensgefährlich verletzt und erleiden schwerste Verbrennungen. Diese rassistischen Brandanschläge geschehen in einer Zeit, in der Gastarbeiter_innen aus der Türkei schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben. Die Brandanschläge von Mölln und Solingen bleiben im kollektiven Gedächtnis türkischer Migrant_innen. Viele haben Angst, selbst Opfer eines Anschlags zu werden.

Die Täter von Solingen waren keine Unbekannten. Sie hatten Verbindungen zur rechten Szene und trainierten in einer Kampfsportschule, die von einem V-Mann des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes betrieben wurde – Verstrickungen, die nie aufgeklärt wurden. [1] Um den „sozialen Frieden“ in der Innenstadt nicht zu gefährden, entscheidet sich die Stadt Solingen gegen einen Gedenkort im Stadtzentrum.

„Ein Tag nach dem Anschlag in Solingen wurde in der Stadt eine Großdemonstration mit 3000 Teilnehmer_innen organisiert. Viele migrantische und deutsche Demonstrant_innen fuhren auch aus anderen Städten dort hin, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen. 60 Antifaschist_innen wurden dabei festgenommen. Nicht der rechte Terror, sondern die Reaktion darauf wurde als Störer des sozialen Friedens betrachtet und kriminalisiert.“ [2]

Auch angesichts des NSU-Terrors ist unklar, worauf das so häufig proklamierte „Vertrauen in die deutsche Mehrheitsgesellschaft“ überhaupt zu gründen wäre. Außerdem: rechte und rassistische Gewalt ist nicht ausschließlich ein ostdeutsches, sondern ein gesamtdeutsches Problem – Gerade deshalb gibt es #nixzufeiern.

„im neuvereinigten deutschland/ das sich so gerne/ viel zu gerne/ wiedervereinigt nennt/ dort haben/ in diesem und jenem ort/ zuerst häuser/ dann menschen/ gebrannt/ erst im osten dann im westen/ dann/ im ganzen land/ erst zuerst dann wieder (…)“ [3]

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.