Am 31.12.1994 wurde die Treuhandanstalt aufgelöst. Die Treuhandanstalt sollte die ostdeutsche Wirtschaft im Rahmen der sog. Wiedervereinigung umstrukturieren. Doch in der Konsequenz wurden Volkseigene Betriebe privatisiert und die DDR ausverkauft. Die meisten Proteste von Arbeiterinnen und Arbeitern gegen die Abwicklung ihrer Betriebe blieben folgenlos. Auch etliche Fälle von Wirtschaftskriminalität und Korruption bei Privatisierungen zogen keine Konsequenzen nach sich.

Am 17. Juni 1990 verabschiedete die neue DDR-Regierung in enger Kooperation der Bundesregierung das Treuhandgesetz. Die damit begründete Treuhandanstalt sollte die ostdeutsche Wirtschaft umstrukturieren und damit die Wiedervereinigung, d.h. die ostdeutsche Planwirtschaft in die sog. „soziale Marktwirtschaft“ zu überführen mit dem Ziel „Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern“ (§ 8 Treuhandgesetz). Doch in der Konsequenz wurden Volkseigene Betriebe privatisiert oder stillgelegt mit großen Verlusten: Mehr als 3.700 Betriebe wurden stillgelegt, etwa 2,6 Millionen Arbeitsplätze wurden abgebaut. [1] Damit verliert ein großer Teil der Ostdeutschen eine wichtige Komponente ihrer Identität.

Die meisten Proteste von Arbeiterinnen und Arbeitern gegen die Abwicklung ihrer Betriebe blieben folgenlos.

Das DDR-Produktionsvermögens ist zu 85 Prozent an Westdeutsche, zu 10 Prozent an internationale Investoren und nur zu knapp 5 Prozent an Ostdeutsche übertragen worden. [2] Zudem waren spätestens 1993 nahezu alle Führungspositionen und Beraterposten der Anstalt mit Managern aus Westdeutschland besetzt, die für zahlreiche Korruptionsskandale verantwortlich waren. Etliche Fälle von Wirtschaftskriminalität und Korruption bei Privatisierungen zogen keine Konsequenzen nach sich.

Viele Ostdeutsche empfinden die Abwicklung der Volkseigenen Betriebe durch die Treuhandanstalt als Ausverkauf der DDR. Ganze Landstriche zerbrechen an dem Abbau der Wirtschaft, dessen Schäden bis heute nicht komplett aufgehoben sind. Abwanderung zerstörte die Sozialstruktur, entvölkert Städte und hinterlässt Trostlosigkeit, Frust und einen tiefe Wunde im kollektiven Gedächtnis Ost, der bis heute spürbar nachwirkt. Die versprochenen „Blühenden Landschaften“ des Altkanzlers Helmuth Kohl sind ausgeblieben. Dank der Wiedervereinigung gilt das Prinzip: Alle gegen Alle. Und deshalb gibt es nichts zu Feiern!

Weitere umfangreiche Informationen zur Treuhand finden sichim Archiv der JungenWelt.

[1] https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/201919/1990-gruendung-der-treuhand

[2] https://www.mdr.de/zeitreise/treuhand110.html

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