Extrem rechte Umtriebe in der „Truppe“ haben eine lange Tradition. Am 24. Januar 1995 referiert der Rechtesterrorist und ehemalige Rudolf Hess-Anwalt Manfred Roeder an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Erst fünf Jahre zuvor war er nach 13-jähriger Haft freigekommen. Er saß ein wegen der Rädelsführerschaft bei der „Deutschen Aktionsgruppe“, welche diverse Terroranschläge in den 70er Jahren verübt hatte. Sie waren unter anderem Urheber eines Brandanschlags auf eine Asylbewerberunterkunft in Hamburg 1980, durch den der 21-jährige Nguyễn Ngọc Châu und der 18-jährige Đỗ Anh Lân getötet wurden.

Bereits ein Jahr nach dem Vortrag tritt Roeder erneut militant in Erscheinung und beteiligt sich am Farbanschlag auf die Wehrmachtsausstellung in Erfurt. An den extrem rechten Gegenprotesten zum diesbezüglichen Prozess nahmen auch das NSU-Kerntrio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe teil.

Erst 1997 wurde der Vortrag durch Recherchen des Spiegel öffentlich, was eine breite Debatte auch über andere rechtsextreme Umtriebe in der Bundeswehr zur Folge hatte. Im gleichen Jahr ließ sich Roeder bereits als Bundestagskandidat der NPD aufstellen. Auch wenn die Geschehnisse einen Untersuchungsausschuss im Bundestag nach sich zogen, blieben sei weitgehend folgenlos. Beteiligte Akteur_innen der Bundeswehr werden allenfalls versetzt oder vorübergehend von ihren Aufgaben entbunden.

Manfred Roeders Biographie steht emblematisch für die Entwicklung der extrem rechten Szene in der BRD. Als Hitlerjunge, Napola-Schüler und bis ins hohe Alter stolzes Mitglied des Volkssturms war Roeder eine wesentliche Integrationsfigur zwischen alten und neuen Nazis. Von CDU in den Untergrund mit Stationen und Fortbildungen bei PLO und im Iran, um nach vielen Jahren Gefängnis, noch einmal das bürgerlichen Gewand eines Referenten überstreifen zu können. Letzteres hat ihn für viele Nazis endgültig zum Helden erhoben und er blieb dies auch bis zu seinem viel zu späten Tod 2014.

Alljene, die sich derzeit überrascht bis irritiert über die Entdeckungen rund um das KSK zeigen, verkennen, ignorieren oder leugnen, welche Traditionslinien es in der Truppe gab und gibt. Darum: Es gibt nichts zu feiern!

Quellen:
Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/13/110/1311005.asc
Spiegel: Hitlerjunge mit Tränensäcken; https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7870264.html
Wikipedia zu Manfred Roeder: https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Roeder_(Rechtsextremist)

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